Wie Bekommt Man Ein Plattenvertrag Mit Sony
24. Januar 2017
Plattenvertrag: Relikt aus grauer Vorzeit?
Nur selten ereilen einem im Musikgeschäft Bezeichnungen, die je nach Herangehensweise sowohl als der Heilsbringer in Reinkultur oder aber als das Böse schlechthin bezeichnet werden. Wenn dann leider noch in vielen Fällen ein hoher Anteil von Unwissenheit und Fehlinformation hinzukommt, ist das fehlinterpretierte Konstrukt perfekt. Die Rede ist vom ominösen Plattenvertrag, der in einigen Köpfen immer noch der automatisierte Schlüssel zu Ruhm und Erfolg in der Musikbranche darstellt.
Was aber vor einigen Dekaden ein unabdingbarer Bestandteil der persönlichen Karriere darstellte, ist heutzutage unter völlig anderen Gesichtspunkten zu bewerten. Dieser Workshop soll dabei helfen, die gröbsten Denkfehler zu vermeiden, mit Vorurteilen aufräumen und die beste Wahl für die persönliche Karriere zu treffen. Auf geht's!
Her mit der Kohle!
Um die Einkünfte eines Künstlers zu analysieren, muss man sich zunächst die verschiedenen Quellen ansehen, welche dem Künstler zu Verfügung stehen. Hier haben sich letztendlich vier Bereiche herauskristallisiert.
1.) Live Gage: Erklärt sich von selbst. Der Künstler will so viel wie möglich haben, der Local Promoter will am liebsten gar nichts zahlen, der Erfolg liegt im persönlichen Verhandlungsgeschick und der wirtschaftlichen Wertigkeit des Künstlers.
2.) Merchandise: auch letztendlich ein einfaches Konzept, wobei die Vermarktungsmethoden bereits wieder einen eignen Artikel füllen würden.
3.) Urheberrecht: Wird primär von der GEMA bzw. der GVL wahrgenommen, indem sie als Inkasso-Firmen entsprechende Einnahmen bei Veranstaltern jeglicher Art einfordern. Ja, der Verteilungsspiegel ist ein Verbrechen am Künstler, das kann hier aber nicht weiter erörtert werden und nein, die GEMA schützt Eure Musik nicht, sondern ist nichts anderes als ein Geldeintreiber, der von Euch beauftragt wurde.
4.) Der Plattenvertrag (endlich): die Abtretung und Lizenzierung des Vervielfältigungsrechtes an Euren künstlerischen, besser gesagt, an Eurer Musik.
Ein wenig Geschichte vom Plattenvertrag
Um die Tragweite eines Plattenvertrages zu verstehen, muss man sich zunächst mit den Anfängen der Tonindustrie beschäftigen. Anfang des vergangenen Jahrhunderts (und natürlich auch davor) gab es lediglich Livegage, welcher ein Künstler für sein handwerkliches Können erhielt. Logisch, wenn man bedenkt, dass es keinerlei speicherbare Medien gab, welche man verkaufen konnte. Wollte man einen neuen Künstler bekannt machen, musste der faktisch 24/7 on the road sein und man musste die Radio-DJs entsprechend bestechen, dass diese die Musik des neuen Künstlers über den Äther schickt.
Das änderte sich schlagartig mit der Einführung der Schallplatte, welche zunächst aus Schellack, später dann aus dem legendären Vinyl gefertigt wurde. Erstmals konnte man die Musik, welche man mochte, zu Hause auf einem Plattenspieler zu jeder x-beliebigen Zeit hören und war nicht gezwungen, auf die Ausstrahlung im Radio zu warten oder zu einem Konzert zu gehen. Jetzt stellte sich die Frage, wie kommt die Schallplatte zum Konsumenten und die ersten Schritte zur Plattenfirma waren geboren.
Schnell fanden die Firmen heraus, dass der Betrieb eines eigenen Tonstudios, in dem der Künstler seine Musik aufnehmen konnte und der anschließende Vertrieb der „Tonträger" wirtschaftlich am meisten Sinn machte. Daher gab es damals ausschließlich sogenannte Künstlerverträge, welche den Künstler an jeder verkauften Platte mit ca. 6-8% des VK beteiligten, was zwar recht wenig war, allerdings hatte die Plattenfirma auch alle Investitionskosten wie Betrieb des Tonstudios, Gehälter der Techniker, Pressung der Tonträger, Auslieferung der Tonträger, Inkasso, Gehälter von Textern / Komponisten / Arrangeuren (die Interpreten wurden nur für die Darbietung der Musik benötigt) zu tragen. Verkaufte der neue Künstler wenig, machte die Firma einen satten Verlust und der Künstler wurde fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Ging der Künstler jedoch durch die Decke, explodierte der Gewinn der Firmen nach Deckung der ersten Investitionskosten geradezu.
Später kamen im Rahmen der zunehmenden Unabhängigkeit der Künstler der sogenannte Bandübernahmevertrag zu den Vertragsformen hinzu, welcher heutzutage nahezu ausschließlich noch von den Plattenfirmen angeboten wird. Das Konzept beruht darauf, dass der Künstler / Produzent auf eigene Kosten und eigenes Risiko eine Demoaufnahme oder zumeist eine fertige Platte produziert und diese einer Plattenfirma zu Lizenzierung anbietet. Diese zahlt dann einen mehr oder (vor allem) minder großen Vorschuss (Advance), von dem der Künstler / Produzent seine Investitionen (teilweise) decken kann. Als Gegenleistung wird er dafür mit einer höheren Beteiligung von ca. 15 % (bei hartem Verhandeln auch schon mal 20 %) des HAP (Händlerabgabepreis) bedacht. ACHTUNG, erst nachdem der Vorschuss durch die Verkäufe gedeckt wurde!
Dieses Konzept hat sich im Prinzip bis heute gehalten, allerdings ist dies auch das Einzige, was sich bei den Plattenfirmen in ihrem Verhältnis zum Künstler nicht geändert hat. Eine CD, welche für ca. 17,- Euro über den Ladentisch wandert, bringt einer Plattenfirma ca. 8-9 Euro Umsatz (nicht Gewinn!), von dem der Künstler ca. 1,50,- Euro sieht, nach Deckung des Advance. Sagen wir mal, ihr habt für 7500,- Euro eine fertige Platte produziert und könnt diese auch an eine Plattenfirma lizenzieren, die Euch auch diesen Vorschuss auszahlt, so müssen erst einmal 5000 CDs verkauft werden, bevor ihr am Umsatz beteiligt werdet. Als Newcomer keine so einfache Sache …
Das Elend mit den Einnahmen
Wie wahrscheinlich jeder weiß, sind die Einnahmen im digitalen Vertrieb äußerst bescheiden bzw. bei den „Streamingdiensten" nicht vorhanden. Spotify zum Beispiel wird durch die Beteiligungen der großen Plattenfirmen wie Warner etc. gehalten, d. h. ein Künstler, der bei den vier großen „Majors" gesignt ist, erhält ein Vielfaches an Tantiemen als kleine Künstler. Auf der untersten Stufe, welches ca. 90% aller Musiker umfasst, erhältst Du als Plattenfirma 0,3 Cent pro gestreamtem Song, d. h. für einen erbärmlichen Euro muss Euer gesamtes Album ca. 25 mal komplett gehört werden. Mal schnell hochgerechnet, für 100,- Euro brauchen wir 30.000 Songs! Einfach nur lachhaft! Ach ja, von denen bekommt man dann eine Beteiligung, also ca. 15%, geteilt durch die Bandmitglieder, macht dann ca. 10 Euro pro Musiker bei ca. 100.000 Songs. Oder anders gesagt, wenn Eure Songs auf Spotify, Deezer, Youtube o. ä. auf einem einzelnen PC rund um die Uhr laufen, bekommt jeder Musiker nach ca. 277 Tagen jeweils 10,- Euro. Noch Fragen?
Das Prinzip ist schnell erklärt. Bricht man es auf die Basics runter, ist eine Plattenfirma bei einem Bandübernahmevertrag auf den ersten Blick nichts anderes als eine Bank, die Dir einen Kredit einräumt. Nachdem du diesen abbezahlt hast, erhältst du eine geringe Beteiligung am Gewinn. Eine Plattenfirma ist kein Kulturförderverein oder Ähnliches, es geht einzig und allein um das liebe Geld. Das ist nicht böse, sondern ein normales Verhalten im freien Unternehmertum, welches keine staatliche Förderung erhält. „WTF!", wird sich der eine oder andere sagen, warum mache ich nicht alles selber und sacke dann auch alles ein? Viele Kollegen haben sich, insbesondere nach einer großen Frustration in der klassischen Verwertung, genau diese Frage gestellt. Jetzt wird es spannend!
Oder vielleicht doch …?
Folgende Punkte sprechen dennoch für die Kooperation mit einer Plattenfirma:
1.) Advance: Sollte es gelingen, die Kosten für die Erstellung des Albums als Vorschuss wieder rein zu bekommen, habt ihr bei katastrophalen Verkäufen zumindest keinen Verlust gemacht. Ihr werdet dann zwar sehr wahrscheinlich von der Plattenfirma umgehend entlassen („gedropt"), aber das Konto verharrt auf null. Wie schnell hat man beispielsweise nur 300 CDs verkauft und noch 5.000 Euro minus an der Backe.
2.) Promotion: Eine ernstzunehmende Plattenfirma hat immer eine eigene Promotion-Abteilung, die Euer Produkt über einen entsprechenden Verteiler an Journalisten und Radiomoderatoren weitergibt. Zudem werden Interviews und Berichte vereinbart. Diesen Verteiler muss man erst einmal haben.
3.) Marketing: Wenn die Plattenfirma an Euch interessiert ist, wird sie auch entsprechende Anzeigen bei den Magazinen schalten. Keiner hört es gerne, aber jeder weiß es. Berichte oder Interviews gibt es in den großen Print- und Online Magazinen nur gegen Anzeigenschaltung, die damit wiederum ihre Kosten decken. Ist nicht böse gemeint, gehört halt leider zur freien Marktwirtschaft. Diese Kosten sind in der Regel nicht mit Eurem Vorschuss verrechenbar, sprich die Plattenfirma trägt diese Kosten alleine. ACHTUNG, „in der Regel" heißt, es gibt auch Ausnahmen! Immer schön auf die Vertragsformulierung achten und immer einen Fachanwalt drüber sehen lassen!
4.) Außendarstellung: Nach wie vor wird der Qualitätsgrad einer Band von Außenstehenden an ihrer Plattenfirma gemessen. Es ist nicht mehr ganz so schlimm wie vor 30 Jahren, aber Sätze wie „die sind bei Universal gesigned" öffnen immer noch Türen und Tore, die sonst auf ewig verschlossen bleiben. Ja, ist völliger Blödsinn und nein, man kann nichts dagegen machen, leider …
5.) (der wichtigste Punkt!) Zeit: Wer jemals versucht hat, die oben genannten Punkte für eine Band in Eigenregie unter einen Hut zu bringen, wird sehr schnell feststellen, dass eine (besser zwei) Person(en) damit einen Fulltime-Job haben und ich meine eine mindestens 80 Stunden andauernde Arbeitswoche. Diese Arbeiten lassen sich AUF KEINEN FALL neben einem regulären Nine-to-Five-Job unterbringen, wo möglich noch mit einer Familie im Hintergrund. Auch das gerne genommene Argument der Aufteilung der Arbeiten unter den einzelnen Bandmitgliedern funktioniert nur, wenn alle Leute vom Fach sind und genau wissen, was sie da tun. Formulierung, Ansprache, Habitus und Erfahrung sind extrem wichtig in diesem riesigen Kasperletheater und ein falscher Satz schießt dich auf ewig aus „Kreis der Gerngesehenen".
Was in eigenen Fällen noch funktioniert, ist die Übernahme dieser Arbeiten durch die eigene Ehefrau (vorausgesetzt sie macht das gerne), aber auch in diesem Fall muss ein geringes Gehalt gezahlt werden. Hier ist sorgfältiges Rechnen angesagt.
Wie Bekommt Man Ein Plattenvertrag Mit Sony
Source: https://www.amazona.de/report-der-plattenvertrag-und-was-du-dazu-wissen-musst/
Posted by: sonswhirs1985.blogspot.com

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